Marktgeschichten

Olper BauernmarktAm 16. August 2000 wurde der 1. Olper Bauernmarkt – der „Bigge-Landmarkt“ – auf dem Marktplatz der Kreisstadt von Bürgermeister Horst Müller feierlich eröffnet. Zahlreiche Besucher fanden sich ein, um neugierig zu schauen, was die Bauern zu bieten haben und am Büfett des Landfrauenservice zu kosten, ob es denn auch schmeckt. Das zur Feierstunde gereichte Veischeder Landbier passte vorzüglich in den Rahmen.

Jeden Mittwoch von 9.00 bis 13.00 Uhr kommen seitdem Bauern aus der Region in die Stadt, um ihre selbst erzeugten Produkte frisch vom Bauernhof anzubieten.

Die Idee

Der neu installierte Bauernmarkt ist das erste Projekt des Facharbeitskreises 1 – Arbeit und Wirtschaft – der Lokalen Agenda 21 der Stadt Olpe. Die sechs Mitglieder des Facharbeitsteams Landwirtschaft haben sich unter der Betreuung von Sabine Melzer-Baldus, Umweltbeauftragte der Stadt, und der Moderation von Anne Gerlach bereits im November 1999 an die Entwicklung dieses Projektes gemacht. So wurden bäuerliche Direktvermarkter aus dem Kreis Olpe und den Nachbarkreisen angeschrieben und ihr grundsätzliches Interesse an einem reinen Bauernmarkt abgefragt.

Darüber hinaus konnten die Landwirte Präferenzen hinsichtlich Wochentag, Marktrhythmus und Dauer des Marktes äußern. Die Auswertung der Befragung ergab schließlich, dass ein wöchentlicher Markt am Mittwochvormittag die größte Resonanz bei den potenziellen Beschickern fand. Nach knapp einem dreiviertel Jahr konnte dann der erste Bauernmarkt als einziger dieser Art weit und breit eröffnet werden.

Lokale Agenda 21 OlpeDas Projekt berücksichtigt alle drei Standbeine der Lokalen Agenda 21, nämlich Ökonomie, Ökologie und Soziales. Der Markt dient der ökonomischen Existenzsicherung der landwirtschaftlichen Betriebe. Die Direktvermarktung – Vermarktung der selbst erzeugten Produkte direkt an den Endverbraucher – ist die älteste Form des landwirtschaftlichen Absatzes. Sie wurde in den 80er Jahren „wieder belebt“.

Für den Erzeuger von heute gibt es einige nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung. So hat der Preisdruck auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise in den letzten Jahren ständig zugenommen, während die Lebensmittelpreise in den Läden durchaus stiegen.

Gleichzeitig haben die globalen Marktströme und die industrielle Entwicklung die Nachfrage nach regionalen Produkten erhöht, so dass die Möglichkeit gesehen wurde, durch die Direktvermarktung die Wirtschaftlichkeit der bäuerlichen Produktion zu erhöhen. Allerdings ist diese Art der Vermarktung mit erheblichem Aufwand finanzieller und arbeitswirtschaftlicher Art verbunden, so dass die Direktvermarktung für viele Betriebe aus Kostengründen und aus Personalmangel ausscheidet.

Ein verändertes Verbraucherverhalten hat diese Entwicklung begünstigt. Individuelle Produkt- und Qualitätspräferenzen weg von der standardisierten Industrieproduktion, der Trend zu natürlicher Ernährung einhergehend mit Transparenz der Herkunft und die Lust auf individuelle Spezialitäten haben diese Entwicklung begünstigt. Frische regionale Produkte direkt vom Erzeuger, den man auch noch kennt, fördern den Genusswert unserer Mahlzeiten und das Bewusstsein, gut eingekauft zu haben.

Der Einkauf auf dem Bauernhof oder direkt vom Bauern auf dem Markt wird zum Erlebnis. Man kann dem Lebensmittelproduzenten auf die Finger schauen und ihn über Herstellung, Anbauweise und Arbeitsbedingungen selbst befragen. Es kann ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und ein hohes Maß an Verbrauchersicherheit und -zufriedenheit erreicht werden. Der Kauf von Produkten aus der Region hilft nicht nur den bäuerlichen Familienbetrieben beim wirtschaftlichen Überleben, sondern ist auch ein wichtiges Element bei den Bemühungen um frische und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei natürlich, inwieweit der höhere Preis, den die Bauern aufgrund der höheren Produktionskosten bei der Direktvermarktung verlangen müssen, vom Verbraucher auf Dauer akzeptiert wird. Leider war das in der Vergangenheit häufig der Grund, dass zunächst begeisterte Kunden den Bauern wieder „von der Fahne gingen“.

Die Ökologie wird berücksichtigt, da der Erhalt und die ökonomische Stärkung der Betriebe zum Erhalt der Kulturlandschaft beitragen. Für den heimischen Raum ist es ungeheuer wichtig, eine funktionierende Landwirtschaft mit all ihren Aufgaben zu erhalten. Die Erhaltung und der Ausbau der regionalen Vermarktung und der Direktvermarktung ab Hof und auf den Märkten sind ein wichtiger Schritt in Richtung Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft im Kreis Olpe.

Nur eine leistungsfähige Landwirtschaft mit positiven Zukunftsperspektiven kann ihre Aufgabe in der Gesellschaft wahrnehmen. Zu diesen Aufgaben gehört auch neben der Nahrungsmittelproduktion eine beträchtliche Sozialfunktion im ländlichen Raum. Sie erhält und pflegt die Kulturlandschaft in den ländlichen Gebieten und gestaltet maßgeblich die Region für die Naherholung und den Fremdenverkehr. So wird der soziale Aspekt auch durch die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft und im nachgelagerten Bereich berücksichtigt.

Das Ergebnis

Der „Bigge-Landmarkt“ ist am 16. August 2000 mit 12 Ständen und einem reichhaltigen Angebot gestartet. Von diesen 12 Ständen sind inzwischen noch 4 Stände mit 6 Anbietern übriggeblieben. Für die anderen hat sich herausgestellt, dass für sie der Aufwand zu groß, die Entfernung nach Olpe zu weit oder die Nachfrage nach ihren Produkten zu gering war.

Was auf den ersten Blick jetzt mager erscheinen mag, ist jedoch so schlecht nicht. Denn diese 6 Bauern haben nach wie vor ein sehr vielfältiges Angebot, das die Landwirtschaft in dieser Grünlandregion sehr gut repräsentiert. Da hier in erster Linie Milch und Fleisch produziert wird, bildet dieses Segment naturgemäß den Schwerpunkt des Angebotes.

So bekommt der Kunde an einem Stand Wildspezialitäten, Frischfleisch von Rind und Schwein, Hausmacherwurst, geräucherte Forellen, Freilandhähnchen und selbst gebackenes Sauerteigbrot. Diverse Käsesorten und sonstige Milchprodukte, Ziegenhartkäse sowie Frischkäse und Joghurt aus Ziegenmilch bietet dieser Bauer aus Zukauf von anderen Höfen an wie auch Nudeln und Eier.

Spargel und Erdbeeren während der jeweiligen Saison und in der Adventszeit einen Weihnachtsbaum und Schmuckreisig gibt es ebenso wie Honig und Honigprodukte. Am nächsten Stand gibt es frische Eiern aus Bodenhaltung, Hähnchen aus alternativer Aufzucht, Suppenhühner und leckere Konfitüre von verschiedenen Früchten. Abgerundet wird dieses ganze Angebot von einer „Blumenkünstlerin“, die prächtige Sträuße und Blumengebinde bereithält.

Die Aktivitäten

Ein besonderer Service des Bauernmarktes, der erstmals im März 2001 angeboten wurde, ist das „Rezept des Monats“.

Jeden Monat können die Kunden kostenlos zwei Rezepte mit Bild mit nach Hause nehmen. Die Rezepte werden außerdem auf der seit 2003 präsentierten Homepage des Bauernmarktes veröffentlicht. Diese Rezepte enthalten jahreszeitlich aktuelle Gerichte mit Zutaten, die wiederum zum Teil auf dem Bauernmarkt erworben werden können.

Seit kurzem wird die Rezeptsammlung auch um die Rubrik „Rezepte der Region“ erweitert, die noch ausbaufähig ist. Hier ist durchaus die Mitwirkung der Bevölkerung erwünscht. Also teilen Sie uns gerne mit, wenn Sie ein typisches Gericht aus unserem schönen Olper Land kennen.

Der Olper Bauernmarkt hat auch überregional Aufmerksamkeit erregt. Bereits im Jahr 2002 ließ es sich die damalige Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Bärbel Höhn, anlässlich eines Besuches in Olpe nicht nehmen, dem Bauernmarkt einen Besuch abzustatten und sie war ob des vielfältigen Angebotes voll des Lobes.

„futureins – NRW macht Zukunft“ - 1. Preis in Sachen "Regionale Lebensmittel"Im Jahre 2005, also fünf Jahre nach dem Start des Bauernmarktes, in denen immer wieder Aktionen rund um den Bauernmarkt stattfanden, wurde das Engagement im Rahmen der Kampagne „futureins – NRW macht Zukunft“ der Verbraucherzentrale NRW für sein vorbildliches Engagement in Sachen „Regionale Lebensmittel“ mit dem ersten Preis belohnt.

Fast jedes Jahr am „Geburtstag“ des Bauernmarktes fanden Aktionen auf dem Marktplatz statt, wobei in erster Linie auch an die zukünftigen Kunden des Marktes gedacht wurde.

Die Oldtimertrecker der „Einpottfreunde Griesemert“So wurden immer wieder Grundschulklassen auf den Bauernmarkt eingeladen, um den Kindern die Entstehung frischer Lebensmittel vom Bauernhof zu verdeutlichen und ihnen und ihren Familien Appetit auf frische Produkte aus der Region zu machen, wobei unter anderem auch die „Einpottfreunde Griesemert“ mit ihren Oldtimertreckern und das selbstgemachte Eis der Familie Gerwin vom Bettinghof die Kinder begeisterten.

Ein besonderes Highlight war sicherlich auch der Aktionstag im August 2008 „Erntedank auf Hof Siele“, der ca. 2.500 Besucher bei herrlichem Sommerwetter auf den Hof der Familie Gerlach lockte. Nach einer Erntedank-Messe im Pallottihaus wurde bei Blasmusik mit den Hatzenbergbläsern ein zünftiger Frühschoppen zu sich genommen.

Das Angebot für die Gäste bestand an diesem Tag nicht nur aus den Produkten der Bauernmarktstände, sondern auch aus Grillspezialitäten vom Bauern, Muggelkaffee mit Waffeln, Blechkuchen von den Landfrauen, selbst gemachtem Eis vom Bauernhof, Veischeder Landbier sowie für die Kleinen Streichelzoo und Ponyreiten. Ein unvergesslicher Erlebnistag für die ganze Familie, der unbedingt wiederholt werden sollte und sicherlich zum 700-jährigen Stadtjubiläum von Olpe im Jahr 2011 eine Neuauflage erlebt.

Es bleibt zu hoffen, dass der Bigge-Landmarkt als einziger echter Bauernmarkt der Region weiterhin regen Zuspruch findet und noch viele Aktionen auf dem Marktplatz oder auf der Siele folgen werden.

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